Afrika! Afrika! der 5B-Klasse mit der Künstlerin Viviane Worobou

Am Tag der offenen Tür hatten war die gebürtige Westafrikanerin Viviane Awinia Worobou aus Burkina Faso zu Gast am BORG Spittal. Gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern malte sie ihre Kunst - Stammeszeichen, Muster und Symbole aus Religion und Alltagsleben in Afrika - direkt auf die Leinwand und brachte uns so die weltweit einzigartige Architektur-Ornamentik ihres Heimatortes Tiebele näher.


Viviane erzählte uns auch einiges über die Wandmalerei Afrikas, die mittlerweile leider ein stark vernachlässigter Aspekt indigener Kultur im ländlichen Bereich geworden ist. Zusammen mit dem Tuchfärben, der Körperverzierung und der Töpferei ist sie in erster Linie eine Tätigkeit der Frauen und in deren häusliche Pflichten einbezogen. Im Unterschied zur männlichen Kunst der Maskenschnitzerei und Schmuckherstellung wurde sie lange Zeit kaum ins Licht der Öffentlichkeit gerückt. Wandmalerei ist dennoch eine angesehene Tätigkeit voller Lebensfreude, eingebettet in den Lebensstil der Frauen, zur Aufwertung einer meist recht kargen Umgebung und um ihre Sicht realer und abstrakter Welten zum Ausdruck zu bringen. Sie ist überdies eine magische Form der Kreativität, wobei die Magie nicht nur aus dem Inhalt oder der Bedeutung kommt, sondern aus dem tatsächlichen Akt des Farbauftragens auf die Wand. Der Ursprung ist nicht immer klar, handelt es sich doch um eine Tradition, die von der Mutter auf die Tochter weitergegeben wurde, ohne dass mehr als die Bedeutung bestimmter Motive überliefert worden wäre. Wichtig ist dabei der Glaube an die Gemeinschaft und die persönliche Verpflichtung ihr gegenüber.


Mit einfachen Naturmaterialien (Tonerden, Pflanzen, Kuhdung, ...) und meist mit bloßen Händen werden die von den Männern errichteten Lehmbauten innerhalb der Gehöfte von den Frauen mit den charakteristischen Mustern gestaltet. Jede der Frauen führt eine eigene spezifische Tätigkeit aus: Ausmalen, Konturieren, Polieren, Linienzeichnen. Die Farbgebungen sind innerhalb der Regionen unterschiedlich. Ob Schönheit geschaffen wird, hängt auch von der Fähigkeit ab, figurative in nichtfigurative Motive umzuwandeln. Als Erweiterung des Wanddekors sagen die Motive auch immer etwas über die Frau als Individuum aus - über einen Gegenstand, ein Ereignis oder eine Anschauung, die typisch für ihre Welt ist:
Der Python sollte einst das Neugeborene beschützen, während die Mutter auf dem Feld arbeitete und gilt somit noch heute als Schutzsymbol. Krokodile, die in einem heiligen Fluss leben, werden verehrt und bildlich dargestellt.

Die Wandmalerei der Frauen Afrikas will das Auge erfreuen, das beunruhigte Herz trösten, die höchste Autorität besänftigen und die Kinder in den Dingen dieser Welt unterweisen.

Vivianes Arbeit in Kärnten trägt laut ihrer Aussage bereits bei ihren Landsleuten in Burkina Faso maßgeblich zu einem Gefühl der Wertschätzung und somit zu neuer Motivation bezüglich einer verstärkten Weiterführung dieser Kulturtradition bei.

Andrea Weinberger

Zernattostraße 10, 9800 Spittal/Drau, T: 04762/5509, F: 04762/5509-22, Email: borg-spittal@bildung-ktn.gv.at









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