Was macht man, wenn man Kunst macht?

Foto: Alexander Khaelssberg

Laurien Bachmann gewann im Mai 2012 den mit Euro 5.000 dotierten Kunstpreis der Bank Austria Kärnten.
2010 maturierte sie am BORG Spittal. Sie erzählt, wie es danach weiterging.

Vor zweieinhalb Jahren habe ich mich dazu entschlossen, nach der Matura die Aufnahmeprüfung an der Kunstuniversität Linz zu absolvieren
Dies war gar nicht so einfach, denn um diese Zeit war eigentlich Lernen angesagt. Trotzdem musste nebenbei auch eine Mappe mit Arbeiten entstehen, die meine Kreativität und mein Können beweisen sollte.
Zwei Wochen nach der mündlichen Matura war es dann so weit und ich fuhr zur Aufnahmeprüfung nach Linz.

Diese Tage waren für mich eigenlich nervenaufreibender als die Matura. Glücklicherweise wurde ich aufgenommen und ich kann sagen, dass diese Entscheidung, nach Linz zu gehen, zu den besten Entscheidungen meines Lebens gehört.

Laurien Bachmann - Portrait

 

 

Am Anfang war die Umstellung vom BORG zur Uni ziemlich groß. Es gibt keinen vorgeschriebenen Stundenplan und die Anwesenheitspflicht gibt es nur noch in seltenen Fällen. Das Kunststudium ist auch in Bezug auf Prüfungen etwas anders als die Schule. Es gibt nur ein Mal im Semester Prüfungen - wobei man hier, je nachdem welche Fächer man belegt (im ersten Jahr gibt es noch Pflichtfächer, um sich an das Studienleben zu gewöhnen), theoretische Prüfungen ablegt, aber hauptsächlich die Arbeiten, die man während des Semesters zu vorgeschriebenen Themen erarbeitet, präsentieren muss. Hierbei geht es hauptsächlich darum, uns Studenten herauszufordern, unser Präsentationstalent und natürlich unsere Kreativität und künstlerische Vorgehensweise zu überprüfen.

 

Das wichtigste als Kunststudentin, aber auch als Künstlerin ist, dass man Selbstständig arbeitet. Es gibt niemanden, der einem monatlich Geld überweist und es gibt auch niemenden, der einem ständig auf die Füße steigt und einem sagt, wie man weiter machen soll. Aus diesem Grund kann ich dieses Studium und den Beruf als Künstler/in wirklichh nur Personen weiterempfehlen, die mit gewissen "Unsicherheiten" im Leben umgehen können, die selbsständig arbeiten und sich für ihre Interessen einsetzen können.

Das Leben scheint zwar sehr verlockend: keine geregelten Arbeitszeiten, machen was und wann man will und Freigeist sein.
Leider ist es aber nicht ganz so. Man sollte gewisse Arbeitszeiten einhalten und sich somit selbst Ziele setzen. Leider kommt vom Nichtstun auch Nichts - und von irgendetwas muss man am Ende auch leben können.

Um als Künstler/in zu überleben muss man nicht nur Arbeiten verkaufen können, es gibt auch verschiedene Stipendien, die Auslandsateliers, Festivals und natürlich Wettbewerbe.

Ich versuche dabei so viele Erfahrungen wie möglich zu sammeln - natürlich bewerbe ich mich nicht bei jeder Ausstellung und viele Stipendien bekommt man erst, wenn man mit seiner Ausbildung fertig ist. Zudem gibt es natürlich auch viele Wettebwerbe, die einfach nicht zu meiner Arbeitsweise passen.

Aber mittlerweile habe ich schon an einigen Ausstellungen teilgenommen und im Mai 2012 habe ich auch einen sehr wichtigen Kunstpreis für junge Künstler/innen der Bank Austria gewonnen.

Alles in allem kann ich dieses Studium kreativen Leuten mit hoher Selbstständigkeit weiterempfehlen. Als Künstler/in muss man allerdings auch oft mit harter Kritik umgehen können - auch dazu dient das Studium und hilft , sich weiter zu entwickeln und sein Können zu fokussieren. Die Personen, die vor künstlerischen Arbeiten stehen und sagen: "Das kann ich auch ...", denen möchte ich gerne ans Herz legen , dass mich das freut, aber es geht erstens nicht immer ums Können, sondern vielmehr darum, dass man es auch umsetzt und nicht nur darüber quatscht. Dass man die Ideen selbst hat und nicht nachmacht und sich mit Themen auseinandersetzt. Zweitens würde es mich interessieren, warum Personen diese Einstellung zur Kunst haben - denn es gibt keinen anderen Beruf, der sich andauernd rechtfertigen muss wie die Kunst. Ich bin noch nie vor der Dame an der Wursttheke in meinem Supermarkt gestanden und habe gesagt: "Das kann ich auch ..."

Laurien Bachmann

Zernattostraße 10, 9800 Spittal/Drau, T: 04762/5509, F: 04762/5509-22, Email: borg-spittal@bildung-ktn.gv.at









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